zurück

Blutegeltherapie

Eine Behandlung aus der Natur bei Gelenk- und Rückenschmerzen

Die Therapie mit Blutegeln (Hirudo medicinalis) ist ein sehr altes Therapieverfahren. Bereits in der klassischen Antike und im alten China wurden die kleinen Lebewesen zur Heilung eingesetzt. Auch heute ist die Blutegeltherapie noch in der traditionellen Heilkunst verschiedener Kulturkreise erhalten. Blutegel werden sowohl in der klassischen europäischen Naturheilkunde, in der Traditionellen Chinesischen Medizin, aber auch als Hausmittelchen in Polen, in der Türkei und in Russland eingesetzt. Durch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen erlebt die Behandlung mit Blutegeln gerade eine „Renaissance”. In klinischen Studien hat sich vor allem die Behandlung von Knie- und Daumengrundgelenksverschleiß (Arthrose) als sehr wirksam erwiesen. Weitere Anwendungsbereiche sind Schulter-, Sprunggelenks- und Rückenschmerzen, Rheuma und Tennisellbogen sowie Nervenschmerzen (z.B. nach Gürtelrose).

Der wirksame Bestandteil der Blutegeltherapie ist der Speichel, der entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und schmerzlindernde Bestandteile enthält. Die genaue Zusammensetzung ist aber noch lange nicht bekannt.

Behandlungsablauf

Vor einer Blutegeltherapie erfolgt die Aufklärung durch den Arzt und die Erläuterung des Behandlungsablaufes. Die zu behandelnde Körperregion sollte ein bis zwei Tage vor der Blutegeltherapie nicht mit Seife, Cremes, Parfüms oder sonstigen Duftstoffe versehen werden, weil ansonsten die Blutegel möglicherweise schelcht beißen. Wir empfehlen zudem, Nahrungsmittel, die stark über die Haut ausgeschwitzt werden, zu meiden (z.B. Knoblauch). Am Behandlungstag reinigen Sie die Haut am besten nur mit klarem Wasser.
In der Praxis werden dann je nach Lokalisation 2 bis 6 Blutegel von uns angesetzt. Für ein Daumengrundgelenk können Sie mit 2-3, für ein Kniegelenk mit 4-5 Egeln rechnen. Die Blutegel suchen sich eine geeignete Stelle und beißen dann zu. Dies merken Sie mit einem leichten (selten auch mäßigen) Zwacken oder Brennen. Sie verbleiben dann an der Stelle und saugen wenige ml Blut, bis sie „satt” sind. Währenddessen geben die Egel ihren heilsamen Speichel in das Gewebe ab. Das dauert etwa 30 bis 120 Minuten, im Durchschnitt etwa 60 Minuten. Die zwackenden Beschwerden lassen mit fortschreitender Zeit nach, weil die Blutegel auch schmerzdämpfende Stoffe abgeben. Die meisten Patienten berichten, dass die Behandlung gut zu ertragen ist.
Wenn die Egel „satt” sind, lassen Sie los und sind wieder mobil. Dann werden sie durch unsere Mitarbeiterinnen eingesammelt. Die entstandenen kleinen Wunden sollen zur Reinigung einige Minuten nachbluten. Abschließend werden sie mit einem Druckverband versorgt, den sie bis zum nächsten Tag belassen sollten. In wenigen Fällen kommt es zu stärkeren Nachblutungen. In diesem Fall wechseln Sie bitte zu Hause selbstständig den Verband und drücken Sie für einige Minuten auf die Bissstellen.
Am nächsten Tag stellen Sie sich bitte zur Wundkontrolle vor. In der Regel kann die Bissstelle dann mit einem normalen Pflaster versorgt werden, dass Sie für etwa 3 Tage belassen sollten. Solange sollten Sie Wasseranwendungen in diesem Bereich meiden (Duschen mit Schutz, z.B. Tüte, Handschuh oder Folie – Bitte 1 Woche nicht schwimmen gehen!).

Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen

Auf jeden Fall werden Sie während der Blutegelbehandlung ein leichtes Schmerzen, Brennen oder Zwacken merken, das nach einigen Minuten deutlich nachlässt. An den Bissstellen wird eine kleine Narbe entstehen, die anfangs noch etwas gerötet und geschwollen ist und über die nächsten Wochen abheilt. Sehr kleine narbige Veränderungen können aber noch über Monate bis Jahre bestehen bleiben, sind aber in der Regel kaum sichtbar.
Nach der Behandlung kann es gelegentlich zu einer Reizung der Region kommen, die für wenige Tage zu einer Schmerzverstärkung führt. Außerdem kann – meist nur bei wiederholten Blutegeltherapie – eine sogenannte „pseudoallergische Reaktion” auftreten mit Juckreiz und selten auch leichter Rötung und Schwellung in der Umgebung der Bissstellen. Sehr selten ist auch eine Infektion der Bissstellen und ggf. der umgebenden Hautreale (sog. Phlegmone). Deshalb sollten Sie sich bei zunehmenden Hautrötungen und -schwellungen auf jeden Fall bei uns zur Kontrolle vorstellen. In sehr seltenen Fällen kann eine Antibiotikatherapie erforderlich sein.

Die Blutegelbehandlungen werden von Dr. med. Gerrit Sütfels durchgeführt, der während seiner Tätigkeit in der Klinik für Naturheilkunde in Essen bei Prof. Dobos und Prof. Michalsen ausführliche Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hat.

Die Blutegel werden aus heimischer Zucht speziell für den medizinischen Bedarf von der Biebertaler Blutegelzucht bezogen.

Blutegeltherapie am Knie