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Traditionelle Chinesische Medizin

… mehr als Akupunktur!

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine Jahrtausende alte, erfahrungsorientierte Heilkunst. Sie hat ein energetisches Krankheits- und Gesundheitsverständnis. Eine wichtige Rolle spielen das Qi und die 5 Elemente.

Qi – Lebenskraft

In der Traditionellen Chinesischen Medizin spielt Qi, die Lebenskraft, eine wichtige Rolle. Sie wird über Atmung und Nahrung aufgenommen und kann im gesunden Menschen frei im Körper und über die Meridiane (die energetischen Bahnen) zirkulieren. Bei Qi-Schwäche findet man häufig Abgeschlagenheit und Erschöpfung oder Störungen in einem Organsystem.

Die 5 Elemente

Ähnlich wie in der „traditionellen europäischen Medizin”, beruhend auf der Heilkunst des antiken Griechenlands, definiert auch die chinesische Medizin Krankheit als ein Ungleichgewicht der Elemente. Im Gegensatz zur Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie) der europäischen Antike und des Mittelalters verwenden die Chinesen die Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Diese Elemente sind jeweils einem Organsystem zugeordnet, das nur bedingt unserem westlichen Organverständnis entspricht. Wenn der TCM-erfahrene Arzt bei Ihnen z.B. eine Milz-Schwäche diagnostiziert, heißt das nicht, dass Ihr Organ Milz krank ist, sondern eher die dazugehörige Funktion. In der westlichen Medizin ist es die Mauserung von Blutzellen, in der chinesischen Medizin gehört die Milz dagegen zum Verdauungstrakt. Insofern kann man sehen, dass Analogien nicht ganz einfach sind.

Zudem gibt es ähnlich wie in der europäischen Naturheilkunde Konstitutionstypen, die auf den 5 Elementen beruhen. Damit werden bestimmt Charaktereigenschaften, Körperbau, Emotionalität, aber auch die Neigung zu bestimmten Erkrankungen erklärt. Meistens besteht eine Konstitution aus ein bis zwei Elementen. Anhand der Konstitutionen können Empfehlungen zur Lebensführung abgeleitet werden. Denn die TCM ist ein ganzheitliches Medizinsystem. Sie behandelt nicht nur Krankheiten, sondern beugt ihnen auch vor. Die Behandlungen bestehen aus Ernährung, Bewegung, Massagetechniken, Akupunktur (Behandlung mit Nadeln) und Kräutertherapie.

Im folgenden werden die 5 Elemente mit ihren dazugehörigen Organsystemen erklärt.

Holz (Leber)

Nach der TCM ist das Element Holz – und damit die Leber – für Bewegung verantwortlich, sowohl die körperliche Bewegung und den Antrieb, als auch die Gefühlsbewegung, also die Emotionen. Die Holz-Konstitution ist durch Tatendrang und Energie, aber auch durch überschießende Energie in Form von Wut und Aggression gekennzeichnet.
Der Leber-Funktionskreis neigt zur Stagnation, also Energie-Stau. Dieser zeigt sich häufig als Nacken- und Kopfschmerz, Migräne, Bluthochdruck oder Aggression. Die Behandlung eines Leber-Staus besteht vor allem aus Bewegung und Sport – natürlich nur im rechten Maß.
Die Leber ist eng verbunden mit dem Funktionskreis Gallenblase.

Feuer (Herz)

Das Element Feuer ist im Herzen zu finden. Ähnlich wie in der westlichen Tradition ist das Herz mit Beziehungen und wärmenden Lebensenergie verbunden. Laut chinesischer Medizin ist es aber auch Sitz des Geistes. Bei Herz-Schwäche kann der Geist nicht mehr gehalten werden, und es können Unruhezustände, Konzentrationsstörungen und psychische Erkrankungen auftreten. Die Herz-Konstitution ist kreativ, einfühlsam und extrovertiert, ist aber auch anfällig über Unruhe und Verwirrung. Das kreative Chaos ist ein typisches Problem.
Eine Herz-Schwäche wird durch Wärme, gute Beziehungen und Meditation (Beruhigung des Geistes) stabilisiert.
Das Herz ist mit dem Dünndarm verbunden, vielleicht wie das deutsche „Bauchgefühl”.

Erde (Milz/Bauchspeicheldrüse)

Die Erde steht für das Nahrhafte. Nach der TCM ist die Milz ein Teil des Verdauungssystems und nicht das Immunorgan Milz im westlichen Sinne. Deshalb wird ihr oft die Bauchspeicheldrüse, die anatomisch direkt neben der Milz liegt, hinzugefügt. Das Milz-Bauchspeicheldrüsen-System ist mit dem Funktionskreis Magen für die Verdauung zuständig. Dabei sollen die klaren (nahrhaften) von den trüben (schädlichen) Bestandteilen getrennt und Qi – Lebensenergie – gebildet werden.
Die Erd-Konstitution steht für Ausgeglichenheit. Es besteht aber auch die Gefahr des „Sich-Hängen-Lassens”, z.B. durch starkes Verlangen, Esssucht und Grübelei, wobei es dann auch häufig zum „Hängen” des Gewebes kommt. Wenig nahrhaftes oder schwer verdauliches Essen (kalte Speisen, zucker- und fettreiche Kost) belasten den Verdauungstrakt und führen zur Milz-Schwäche. Ebenso kann aber auch seelisches „Widerkäuen” in Form von Grübelei die Milz beeinträchtigen. Eine Milz-Schwäche kann zu Verdauungsstörungen, Weichteilbeschwerden und Depression führen.
Die wichtigste Therapiemaßnahme ist eine Ernährung aus warmen, stärkenden Mahlzeiten, z.B. warmer Getreidebrei, Suppen, gegarte Kartoffeln, Karotten und Hülsenfrüchte. Zusätzlich ist Bewegung sinnvoll, um das Qi zu mobilisieren.

Metall (Lunge)

Die Lunge ist – wie auch in der westlichen Medizin – für die Atmung verantwortlich. Mit dem Atem wird Qi, also Energie, aufgenommen. Um eine gute Energieversorgung zu gewährleisten, ist eine ruhige und tiefe Atmung erforderlich. Bei einer Lungen-Schwäche ist oft die Atem-, aber auch die Abwehrfunktion (körperlich und seelisch) eingeschränkt.
Unter einer Metall-Konstitution versteht man empfindsame Menschen, bei denen die Barriere zwischen Innen und Außen bzw. Selbst und Fremd gering ausgeprägt ist. Dies kann zum einen positive Auswirkungen im Sinne von besonderer Feinfühligkeit (häufig soziale Berufe), aber auch negative Effekte im Sinne von Infektanfälligkeit und emotionaler Labilität mit sich bringen. Außerdem neigen Metall-Menschen zu Trauer und Überlastung.
Die Lunge ist eng mit Dickdarm und Haut verbunden. Beides sind wichtige Grenzregionen zwischen Innen und Außen. Das erklärt z.B. die häufige Beobachtung, dass Störungen der Darmflora Infektanfälligkeit, Allergien und Hautveränderungen auslösen können.
Das wichtigste Therapieprinzip bei Lungen-Schwäche bzw. Metall-Konstitution ist die Stabilisierung der Atmung.

Wasser (Nieren)

Gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin wird in den Nieren die Lebensessenz Jing gespeichert. Man könnte sie mit unserem westlichen Begriff Erbgut (bzw. Gene) vergleichen. Ähnlich wie im Westen ist die Niere für die Wasserregulation verantwortlich, aber auch für die Fortpflanzung (im Westen: kleines Becken / Geschlechtsorgane). Im Chinesischen ist die Niere deshalb auch mit dem Funktionskreis Blase verbunden.
Die Wasser-Konstitution besitzt einen kräftigen Körperbau und besitzt das Wirkprinzip Ruhe. Lärm, Unruhe, Schlafmangel und fehlende Entspannungsmöglichkeiten schwächen die Nieren. Eine Nieren-Schwäche zeichnet sich durch Müdigkeit, Ängstlichkeit und Kälteempfindungen aus. Außerdem kommt es häufig zu Gelenk- und Lendenschmerzen.
Zur Stärkung der Niere sind eine ausreichende Schlafdauer und -qualität erforderlich, aber auch Entspannungsphasen und Lockerungsübungen der Beckenregion.

Moxibustion unterstützt die Wirkung der Akupunktur, vor allem bei Kältezuständen. Dabei wird Beifußkraut auf der Akupunkturnadel verbrannt und damit die Nadel angewärmt.